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Hinweis für Ärzte

Die hier vermittelten Informationen ersetzen keinesfalls die Einarbeitung in die Therapiedurchführung. Bitte nehmen Sie bei Interesse Kontakt zu uns auf.

Das NETZWERK-Keloid betreibt die Einführung der Intraläsionalen Kryochirurgie (IK) für die Behandlung von Keloiden – auch im Sinne von vielen Patienten. Intraläsionale Kryochirurgie kann bei den meisten Keloidtypen eine Rezidivrate von lediglich 5-7% vorweisen. Sie ist mit allen bislang eingesetzten Therapien gut kombinierbar.

Therapie

Die Behandlung von Keloiden war seit jeher eine unbefriedigende Pflicht für Ärzte. Die Überproduktion veränderter Kollagenfasern und die Überexpression von TGFβ, die das unkontrollierte Wachstum einer manchmal kleinen Verletzung anregt, konnte zwar in einigen Fällen erfolgreich behandelt werden, jedoch war die Vorhersagbarkeit von langfristigen Ergebnissen so gut wie nicht möglich. Die Rezidivraten sind extrem hoch oder aber die eingesetzten Verfahren brachten andere gravierende Nachteile für die Patienten mit sich. Mit der intraläsionalen Kryochirurgie steht uns nun ein therapeutisches Verfahren zur Verfügung, das mindestens bei einigen Keloidtypen eine verbesserte Ergebnisvorhersagbarkeit erlaubt.

Das Verfahren

Die Entwicklung des Verfahrens ist Ergebnis einer israelisch-deutschen Kooperation der Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Yaron Har-Shai, Haifa und Prof. Dr. Christos C. Zouboulis, Berlin (aktuell Dessau). Beide Arbeitsgruppen stellten unabhängig voneinander eine Spezialnadel zur intraläsionalen Kryochirurgie her. Nach einer 6-monatigen Zusammenarbeit an der Berliner Freien Universität beschloss man, die in Israel hergestellte Spezialnadel, die vorne geschlossen ist, weiterzuentwickeln.

Der eingeleitete Stickstoff zirkuliert kontinuierlich durch die Nadel hindurch und wird wieder ausgeleitet. Dadurch sind am Ort der Nadel in einem Durchmesser von ca. 2 cm um die Nadel (Länge: 10 cm) herum konstante Temperaturen vorzufinden, die so tief sind (-40°C), dass die Zahl der kälteresistenten Fibroblasten reduziert und Kollagenfasern zerstört werden. Die Nadel wird im unteren Drittel des Keloids platziert. Hat das Keloid eine größere Breite oder Tiefe als 2 bis 3 cm, muss die Nadel mehrmals hintereinander eingeführt werden, um das ganze Gewebe zu erfrieren. Für Dermatologen, die mit Sprüh- oder Kontaktkryochirurgie vertraut sind, ist die Dauer der Durchleitung gewöhnungsbedürftig. Hier wird nicht in Sekunden gerechnet, sondern die Applikation dauert erheblich länger beginnend bei mindestens ca. 10 Minuten, und sie kann sogar bis zu mehr als 60 Minuten abhängig von der Größe des Keloids und der Vaskularisierung des Gewebes dauern.

Als Standard ist angegeben, dass sich im gesunden Gewebe eine hellere Verfärbung in einer Breite von 2 bis 10 mm um das Keloid herum abzeichnen muss, eine so genannte Halo (Abb. 1), erst dann kann die Behandlung abgeschlossen werden.

Die so genannte CryoShape® Nadel wird in der Regel unter Lokalanästhesie eingeführt. Circa eine Stunde vor Behandlungsbeginn und 3 bis 4 Stunden nach der Behandlung können dem Patienten Schmerzmittel verabreicht werden. Einige Stunden nach der Behandlung bildet sich eine nässende Blase, die innerhalb von 8 bis 10 Tagen verkrustet (Abb. 2a-d). Das Blasendach beinhaltet antibiotische Peptide und soll zwecks Prävention von Wundinfektionen nicht abgetragen werden. Das behandelte Keloid sollte einmal täglich neu verbunden werden. In den ersten 7 Tagen soll auf die Läsion eine Steroidcreme täglich appliziert werden, um die Schwellung und Sekretion aus der behandelten Läsion zu reduzieren. Eine Silikon- bzw. Fettfolie zwischen Blasendach und Verband soll bis zur Austrocknung der Wunde appliziert werden.

Das behandelte Keloid bildet sich immer weiter zurück, nach 6 Monaten kann das Ergebnis beurteilt werden. Die Haut zeigt zwar immer noch Zeichen des ehemaligen Keloids, aber die Erhöhung kann deutlich abnehmen bis nahezu verschwinden. Auch die für Patienten sehr unangenehmen Symptome Juckreiz und Schmerzen treten bereits eine Woche nach der Behandlung nicht mehr auf bzw. werden sehr stark reduziert (Abb. 3).

Publikationen

Die ersten Untersuchungen wurden in Israel und Deutschland durchgeführt. Dabei wurden viele Parameter untersucht, die der neuen Therapie dazu verhalfen, aussagekräftige Studienergebnisse vorzulegen. Im Einzelnen wurden die Temperaturverhältnisse um die Nadel herum, an der Keloidoberfläche sowie im umliegenden gesunden Gewebe untersucht.

Dabei stellten sich viele positive Wirkungen heraus:
Die letale Temperaturzone (Abb. 1) ist so tief, dass alle pathologischen Gewebezellen zerstört werden können. An der Oberfläche jedoch ist die Temperatur nicht so tief, so dass die Melanozyten die Behandlung überleben. Dadurch wird eine dauerhafte Depigmentierung vermieden. Im gesunden Gewebe konnten keine Schädigungen festgestellt werden. Ursache dafür ist die im Vergleich zum Keloid gute Durchblutung des gesunden Gewebes, die eine kritische Temperaturerniedrigung verhindert. Im Vergleich zur Kontakt- oder Sprühkryochirurgie ist die Patientenakzeptanz erheblich besser. Die Schmerzempfindung während der Behandlung ist niedriger, nach ca. 4 Stunden sind die Schmerzen aller Kryotherapie-Methoden in etwa identisch, allerdings dann auch von fast allen Patienten gut zu ertragen (Abb. 2).

Die Reduktion des Keloidvolumens ist abhängig von der Lokalisation. Die meisten auftretenden Keloide befinden sich im Ohrbereich oder auf Brust und Schultern. An den Ohren kann die Volumenreduktion 70 %, am Körper 50 bis 60 % erreichen.

Das wichtigste Kriterium für die Akzeptanz der Therapie ist die Rezidivrate. Während alle anderen Therapien zur Behandlung von Keloiden mit Rezidivraten von 40 bis 70 % kalkulieren müssen, liegt diese bei der intraläsionalen Kryochirurgie bei 5 bis 7 % in einer Nachbeobachtungszeit von sieben Jahren. Im letzten Jahr sind weitere Studien publiziert worden. Eine Arbeitsgruppe aus Aachen hat die Verbesserung der Ergebnisse durch Kombination von intraläsionaler Kryotherapie und Slikonpflaster untersucht. Eine französische und eine ägyptische Arbeitsgruppe haben größere Patientenzahlen vorgelegt, die die von Har-Shai und anderen berichteten Ergebnisse validiert haben.

Literaturliste alphabetisch nach Autoren

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Scar Council/Narbenrat

Das NETZWERK-Keloid hat festgestellt, dass es von Seiten unserer Kollegen und auch von Patienten ein großes Bedürfnis nach einer Anlaufstelle für das Thema Narben gibt. Mit dem Narbenrat haben wir ein Organ geschaffen, dass diese Unterstützung geben will.
Der Scar Council befasst sich mit allen neuen Entwicklungen zur Vermeidung und Behandlung aller Narbentypen.
Wir möchten Kollegen, die sich mit diesem Thema befassen zur Mitarbeit in diesem Gremium auffordern.